Urbanes Fahren (UF)

Das urbane Verkehrsgeschehen und die entsprechenden Szenarien sind im Vergleich zur Autobahn außerordentlich heterogen bezüglich der Verkehrsteilnehmer, Infrastruktur, Umgebungsbebauung und der relevanten zeitlichen Verläufe. Es ist also ausschlaggebend, dass sowohl Bedarfsermittlungen als auch Datenerhebungen in Experimenten von vergleichbaren Szenarien und Nutzereigenschaften ausgehen. Daher soll das Teilprojekt „Urbanes Fahren“ als Plattform zwischen den Teilprojekten innerhalb MV und den UR:BAN-Projekten KA und VV zur Vereinheitlichung und Festlegung von Assistenzszenarien und eines projektinternen Datenstandards dienen. Ein Assistenzszenario wird bestimmt durch die Eigenschaften des vorliegenden Assistenz-/ Informationssystems (KA/VV), wie beispielsweise dessen Zuverlässigkeit, Eingriffscharakteristik und Einsatzbereich; weiterhin durch den Typ des Assistenz- /Informationsfalles: Navigation, Manöver oder Stabilisierung; schließlich durch die Inanspruchnahme des Nutzers: permanent, intermittierend, modalitätsspezifisch, Anforderungen an Zeiteinteilung und Bedienkräfte. Bereits diese drei Dimensionen werden schon zu Beginn des Projekts zur effizienten Abstimmung der Partner beitragen.

In MV und seinen Nachbarprojekten werden mit hohem Aufwand in den VV-Testfeldern wertvolle Datenbestände zu kritischen Verkehrssituationen erhoben werden. Es ist daher sinnvoll, diese Aktivitäten aufeinander abzustimmen und gegebenenfalls Daten mehrfach zu nutzen und die Interpretierbarkeit durch Erhebungs- und Auswertungsstandards zu erhöhen. Vorarbeiten aus den EU Projekten FESTA und Euro-FOT aber auch SimTD liefern dafür wertvollen Input. Hier wurden Datenstandards entwickelt, die mit vertretbarem technischem Aufwand von verschiedenen Partnern eingehalten werden können. Gerade die Anpassung der Festlegungen in EURO-FOT auf die Fragestellungen in UR:BAN wird die Partner sehr schnell abgestimmt vorgehen lassen. Es sind also beispielsweise Standards bezüglich Samplingraten, Videoformaten, Synchronisationsparametern und Situationskodierungen vorzunehmen. Nur so entsteht die Möglichkeit, dass eine Kleinstichprobe durch die Hinzunahme weiterer Daten verlängert bzw. validiert und wertvolle Experimentalzeit gespart werden kann. Auch die im MV-Teilprojekt MMI geplante Zusammenführung unterschiedlicher Funktionen in ein integriertes Nutzkonzept muss von abgestimmten Szenarien ausgehen können. Häufig scheitert das Abstimmen unterschiedlicher Systeme bereits daran, dass verschiedene Funktionsentwickler von unterschiedlichen unscharfen situativen Parametern ausgehen, sodass keine Möglichkeit besteht, Informationen zeitlich aufeinander abgestimmt für den Nutzer aufzubereiten. So deckt die Aussage „Die Information soll im Verlauf der Kreuzungsanfahrt präsentiert werden“ je nach Szenario eine Zeitspanne von bis zu einer Minute ab.

Am Ende des Projekts wird im Teilprojekt UF die vorgenommene Systematik aufgrund der Funktionsentwicklungen in KA, VV und MMI überarbeitet und aktualisiert und soweit möglich die entsprechenden Assistenzszenarien mit quantitativen Werten zu Akzeptanz, Usability, Kontrollierbarkeit und verkehrlicher Wirkung belegt.