Stadtgerechte Mensch-Maschine-Interaktion (MMI)

Die Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle wurde in Vorgängerprojekten bereits thematisiert, jedoch eher mit dem Fokus auf spezifischen Einzellösungen für die Funktion. Dies reicht aus zwei Gründen nicht mehr aus: Die Zunahme an Funktionen wird durch zu viele konkurrierende, nicht aufeinander abgestimmte Informationen den Fahrer überlasten. Zusätzlich ist im urbanen Raum die Wahrscheinlichkeit von Hinweisen, Warnungen und Eingriffen deutlich höher als auf Autobahnen oder Landstraßen. Aus diesen Gründen werden im Teilprojekt MMI folgende drei Ziele verfolgt:

Ziel 1: Konzeption und Entwicklung eines generischen MMI-Baukastens:

Der funktionsübergreifende, integrale MMI-Baukasten für den urbanen Raum wird durch Strukturierung, Vereinheitlichung und Anpassung von bestehenden sowie in Entwicklung befindlichen MMI-Konzepten für Assistenz- bzw. Sicherheitsfunktionen erstellt. Er beinhaltet eine Strategie zur systematischen Ableitung handlungsorientierter MMI Konzepte für Anwendungsfälle des sicheren, komfortablen und effizienten Fahrens. Die zentrale Idee ist, ein konsistentes Informations-, Warn- und Eingriffsverhalten bei gleichem Handlungsbedarf (z.B. „Bremsen“), aber verschiedenen auslösenden Ereignissen umzusetzen. Hierfür stellt der MMI Baukasten eine Schnittstelle zur Ansteuerung und Priorisierung von MMI Ausgabemedien zur Verfügung. Deren Kombinatorik und Timing sowie die phasenweise Eskalation über die jeweiligen Modalitätsausprägungen sind gleichfalls Bestandteil des Baukastens. Da sich die strategische Ausrichtung des MMI Baukastens an den Anforderungen im urbanen Raum orientiert, fließen nutzerspezifische Aspekte (z.B. Leistungsfähigkeit des älteren Fahrers) und die Erfordernisse einer zukünftigen Individualmobilität ein. So führt die Integration von Navigationsinformationen und Umfeldwissen sowohl zu einer Optimierung von Warnart und -zeitpunkt als auch zu einer Unterstützung beim vorausschauenden Fahren. Für den Fahrer nicht sichtbare Gefahren können ihm durch den Einsatz haptischer Rückmeldungen an Fahrpedal und Lenkung angezeigt werden. Dies führt neben der Gefahrenverminderung zu einer vorausschauenden Fahrweise, die – vor allem im Lkw Bereich – zu einer deutlichen Verbrauchs- und Emissionsreduktion sowie stressfreieren Fahrt beiträgt. Die Herausforderung besteht in einer sinnvollen und verkehrssicheren Vermittlung des Wissensvorteils des Fahrzeugs an den Fahrer. Dazu müssen die Informationen verlässlich und nachvollziehbar dargestellt werden.

Ziel 2: Integration der Applikationen aus KA und VV:

Die Prüfung der Logik des MMI Baukastens und der damit verbundenen Ableitung von integrativen MMI Konzepten erfolgt anhand von Funktionsspezifikationen aus den Projekten Kognitive Assistenz (KA) und Vernetzte Verkehrssysteme (VV). Im Fokus stehen dabei die Applikationen der KA-Teilprojekte "Kollisionsvermeidung durch Ausweichen und Bremsen", "Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmern" und "Sichere Quer- und Längsführung in der Stadt" sowie der VV-Teilprojekte "Smarte Kreuzung", "Urbane Straßen" und "Regionales Netz". Weiterführend werden auch Information und Warnungen aus dem Teilprojekt "Verhaltensprädiktion und Intentionserkennung", die nicht direkt Eingriffe in das Fahrverhalten beinhalten, berücksichtigt.

Ziel 3: Überprüfung und Demonstration der MMI Lösungen:

Über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg werden die entstehenden MMI Konzepte mit den jeweils angemessenen Methoden (z.B. modellbasierte Simulation, Expertentest, Experiment) nutzerzentriert evaluiert. Beginnend bei Voruntersuchungen zur Schärfung der Anforderungen, über Iterationsvorgänge zur Weiterentwicklung, bis hin zur Evaluation des Gesamtkonzepts. Der Fokus liegt dabei auf der Designoptimierung und der Untersuchung klassischer Usabilityfragen.