Kontrollierbarkeit (KON)

Das Problem der Kontrollierbarkeit wird im Zuge der rasanten Entwicklung von zunehmend komplexer werdenden Assistenzsystemen immer drängender. Die aktuelle Situation ist dadurch gekennzeichnet, dass die Problematik der Kontrollierbarkeit in dem Maße zunimmt, in dem die neuen Systeme „intelligenter“ und „effizienter“ arbeiten. Je stärker die Unterstützung durch ein System, desto schwieriger ist es regelhaft im Fehlerfall zu beherrschen. Dieser stark vereinfachenden Regel steht die Tatsache gegenüber, dass der Fahrer ohne das System in vielen Fällen überhaupt nicht in der Lage gewesen wäre, einen potenziellen Unfall zu vermeiden. Damit wird deutlich, dass man die Kontrollierbarkeit nicht losgelöst von der Wirksamkeit eines Fahrerassistenzsystems betrachten darf, die wiederum stark von der Akzeptanz abhängt, welche letztlich über Kauf und Nutzung des Systems entscheidet.

Besondere Anforderungen an die Kontrollierbarkeit stellen Fahr- und Verkehrssituationen, in denen die parallele Auswertung mehrerer Informationsquellen in kurzer Zeit notwendig ist und die dadurch eine hohe Belastung des Fahrers beinhalten. Solche Situationen sind insbesondere – wie vor allem anhand der Systementwicklungen im Projekt Kognitive Assistenz deutlich wird – kennzeichnend für den urbanen Bereich. Ziel des Teilprojekts KON ist es deshalb, einheitliche methodische Grundlagen zu erarbeiten, um die Kontrollierbarkeit von Systemen mit Fokus auf zeitkritischen Situationen effizient und valide absichern zu können.

Diese Methoden und Kriterien der Kontrollierbarkeit dienen der Absicherung von Funktionen und HMI-Konzepten, die in anderen URBAN-Teilprojekten definiert werden. UR:BAN-Funktionen sollen eine wirksame, reaktionsschnelle Unfallvermeidung unterstützen. Das Teilprojekt KON stellt Methoden bereit und entwickelt im Projekt – wo nötig – weitere Methoden, die es erlauben unter Einbeziehung von Systemgrenzen, Systemfehlern, möglichem Fehlgebrauch und Übersteuerungsmechanismen optimale HMI-Konzepte für die maximale, nachhaltige Verbesserung der Verkehrssicherheit zu entwickeln und zu bewerten.

Das Teilprojekt erarbeitet Verfahren zur Überprüfung und Verbesserung des Systemverhaltens in Grenz- und Fehlerfällen. Anwendungsgebiete kommen vor allem aus den Applikationen des Projekts „Kognitive Assistenz“, ohne jedoch allein auf diese Anwendungen beschränkt zu sein. Das systematisierte vorhandene Wissen, ergänzt um die neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Kontrollierbarkeit von Fahr- und Verkehrssituationen, wird in einer Fahrerleistungsdatenbank zusammengefasst, welche eine erste, effiziente Bewertung der Kontrollierbarkeit einer zu untersuchenden Fehlerauswirkung erlaubt.