Technische Universität Braunschweig

Institut für Verkehr und Stadtbauwesen

Das Institut für Verkehr und Stadtbauwesen steht unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Bernhard Friedrich und vertritt in Forschung und Lehre die Fachdisziplinen Integrierte Verkehrsplanung, Verkehrstechnik und Umweltschutz im übergeordneten Zusammenhang mit der Stadt- und Regionalplanung. Einen besonderen Forschungsschwerpunkt verfolgt das Institut in der Abbildung des Verkehrs und seiner Anlagen in mathematischen und numerischen Modellen. Neben der Entwicklung von Modellen für den offline Einsatz zu Planungszwecken werden auch online Simulationen für den Einsatz in Steuerungsverfahren für den Verkehr entwickelt. Diese bieten in Verbindung mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien Perspektiven zur besseren Nutzung vorhandener Infrastruktur und zur Reduzierung unerwünschter Folgen des Verkehrs. Für das geplante Projekt UR:BAN sind insbesondere folgende Kompetenzen des Instituts relevant:

  • Richtlinien- und Systemwissen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur und insbesondere der Lichtsignalsteuerung
  • Datenmodelle, Verfahren der Datenanalyse und der Datenvervollständigung
  • Online Modellierung des Verkehrsablaufes mit Hilfe mathematischer und numerischer Modelle zur Verkehrslageermittlung und Prognose
  • Entwicklung von Verfahren für die adaptive Verkehrssteuerung an Knotenpunkten und in Netzen.

In den genannten Forschungsbereichen ist das Institut durch die Mitarbeit von Prof. Friedrich und seiner Mitarbeiter in einer Reihe von maßgebenden nationalen und internationalen koordinierten Forschungsprojekten wie z.B. LLAMD, MOBINET, Dmotion, PReVENT, AKTIV und KOLINE ausgewiesen. Dokumentiert sind die aus dieser Forschung hervorgegangenen Ergebnisse in verschiedenen Veröffentlichungen (www.tu-bs.de/ivs). Forschung und Entwicklung basieren dabei auf der Kenntnis der theoretischen Grundlagen verbunden mit dem Anspruch der Ingeni-eurwissenschaft, prototypische Lösungen für in der Praxis einsatzfähige Produkte zu erstellen. Die in diesem Zusammenhang entwickelten und am Institut vorliegenden Modelle und Algorithmen werden als wichtige Ausgangsbasis für die Forschung und Entwicklung in UR:BAN zur Verfügung stehen. Dies gilt in gleicher Weise für das Richtlinien- und Systemwissen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur, das Prof. Friedrich als Leiter des Richtlinienausschusses für die Lichtsignalsteuerung in das Projekt UR:BAN einbringen wird.


Lehrstuhl für Ingenieur- und Verkehrspsychologie

Der Lehrstuhl „Ingenieur- und Verkehrspsychologie“ des Instituts für Psychologie wurde 2007 ge-gründet und wird seitdem von Prof. Dr. Mark Vollrath geleitet. Die Forschung beschäftigt sich einer-seits mit der Fahrermodellierung, d.h. Grundlagen des menschlichen Verhaltens im Verkehr. Ande-rerseits geht es um die Gestaltung und Bewertung von Informations- und Assistenzsystemen im Verkehr. Im ersten Bereich wird das Verhalten von Verkehrsteilnehmern untersucht, wobei Belas-tung und Beanspruchung, Unterforderung (Müdigkeit) und Überforderung (Stress) sowie Fehler wichtige Themen sind, um daraus Anforderungen abzuleiten, wie die Verkehrsumwelt, Fahrzeuge und Informations- und Assistenzsysteme so zu gestalten sind, dass eine optimale Unterstützung des Nutzers erreicht und die Sicherheit im Verkehr erhöht wird. Bei der Gestaltung von Informationssys-temen liegt der Schwerpunkt in der Minimierung der Ablenkung durch diese Systeme im Verkehr, wobei insbesondere sprachliche Mensch-Maschine-Interaktionen interessante Möglichkeiten bieten. Fahrerassistenzsysteme und Warnsysteme werden untersucht im Hinblick auf ihre positive Unterstützungswirkung und wie diese durch eine mensch-zentrierte Gestaltung am besten zu erreichen ist. Die Untersuchung mentaler Modelle des Nutzers und von Verhaltensanpassungen ermöglichen es, Probleme und Schwierigkeiten im Umgang mit diesen Systemen frühzeitig zu erkennen und Gestaltungsalternativen zu entwickeln. Die Basis für diese Themen bilden empirische Untersuchungen im Feld (realer Verkehr, Verhaltensbeobachtungen, Nutzerinterviews, Prototypen-Nutzung) und im Labor (Fahrsimulator zur gezielten Untersuchung relevanter Situationen), wobei Verhalten (Fahrerreaktionen, Umgang mit Systemen), physiologische Aspekte (Belastung und Beanspruchung, Herzrate) und das Erleben (Interviews, Fragebögen) erfasst werden. Diese Kompetenzen werden im Rahmen der Projektsäule MV im Teilprojekt MMI eingebracht, um ein handlungsorientierten integrierten HMI-Konzepts im urbanen Raum unter besonderer Berücksichtigung älterer Fahrer zu entwickeln und zu bewerten und dieses Konzepts auf ausgewählte Funktionen der „Kognitiven Assistenz“ anzuwenden. Ausgehend von Unfallanalysen werden Szenarien im Fahrsimulator entwickelt, in denen diese Konzepte in empirischen Studien bewertet werden. Außerdem sind so ausgewählte sicherheitskritische Funktionen ohne Gefahr für die Fahrer zu demonstrieren. Diese Kompetenz ist durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen und die Beteiligung an unterschiedlichen Projekten im Bereich der Human Factors in der Verkehrssicherheit dokumentiert (z.B. das EU-Projekt ISI-PADAS zur Fahrermodellierung und Assistenz im Längsverkehr, industrielle Projekte z.B. mit der VW Konzernforschung zum Thema „Unscharfe Gefahrenwarnung“ und öffentliche Projekte, z.B. mit der Bast zur „Ableitung von Anforderungen an Fahrerassistenz aus Unfallstudien“ und zur „Ablenkung beim Fahren“).

<< zurück