Wirkfeld, Effektivität, Recht (WER)

Das urbane Umfeld bietet aus Sicht der Verkehrssicherheit hohe Potenziale. Einerseits geschieht ein Großteil der Unfälle mit Personenschaden im urbanen Bereich, anderseits ist es aus Sicht der Fahrzeugtechnik bisher schwierig, das Unfallgeschehen hier wirksam zu adressieren. Speziell für aktive Sicherheitssysteme sind viele Situationen im urbanen Bereich sehr komplex, sowohl was die Umgebung mit Infrastruktur und Randbebauung sowie Fahrsituationen angehen, als auch in Bezug auf die mögliche hohe Zahl an Verkehrsteilnehmern auf engem Raum. Hinzu kommt, dass im urbanen Bereich viele ungeschützte Verkehrsteilnehmer unterwegs sind, für die der Nutzen von herkömmlichen, passiven Sicherheitssystemen begrenzt ist. Dies erfordert deutlich komplexere Sicherheitssysteme, die auf eine Vielzahl von Verkehrsteilnehmern und damit auch sehr unterschiedliche Szenarien reagieren müssen.

Mit der Komplexität der Szenarien steigt auch die der Sicherheitssysteme und in Konsequenz ebenfalls die Komplexität des Entwicklungsprozesses. Es ist daher essenziell, diesen von Anfang an aus Sicht der Verkehrssicherheit zu begleiten. Die Fragestellungen, die sich bei der Funktionsauslegung ergeben, sind vielfältig. Im Fokus steht die Unfallvermeidung bzw. Schwereminderung durch ein System im realen Unfallgeschehen. Das Querschnittsprojekt „Wirkfeld, Effektivität, Recht“ unterstützt die drei Applikationsprojekte bei der Systemauslegung. Zu diesem Zweck wird basierend auf Realunfalldaten (GIDAS-Datenbank und videodokumentierte Unfälle) eine integrierte Werkzeugkette erstellt, die sowohl Wirkpotenzial als auch tatsächlichen Nutzen der Sicherheitssysteme in einer zukünftigen Unfallwelt per Computersimulation prognostiziert. Diese Werkzeugkette kann dann dazu benutzt werden, die Funktionen der Applikationsprojekte sicherheitsoptimal auszulegen.

Weiterhin werden die im Projekt UR:BAN-KA entwickelten Applikationen aus rechtlicher Sicht betrachtet. Systeme mit unmittelbarem Einfluss auf die Quer- und/oder Längsführung des Fahrzeuges – bis hin zur vollautonomen Reaktion – benötigen begleitend zu ihrer Entwicklung eine Untersuchung auf besondere rechtliche Konsequenzen. Neben dem Produkthaftungsrecht spielt auch das Verhaltensrecht eine wesentliche Rolle, das seinen Ausdruck einerseits im Völkerrecht (Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr), andererseits aber auch im Bundesrecht (Straßenverkehrsordnung) gefunden hat. Die rechtlichen Maßstäbe sind potenziell geeignet, die untersuchten Anwendungen in ihrer Auslegung und Konzeption zu beeinflussen. Zielsetzung in rechtlicher Hinsicht ist demzufolge, dass zum einen Anwendungen so ausgelegt werden können, dass von vornherein rechtlich konfliktträchtige Situationen ausgeschlossen werden, und dass zum anderen zugleich aufgedeckt werden kann, welche rechtlichen Gesichtspunkte einer vertieften Betrachtung und gegebenenfalls der Änderung bedürfen.